Vom Feuer der Begeisterung in die Stille: 30 Jahre Seminare leiten

Vom 13. – 15. August 2027 leite ich mein letztes Seminar. Nach nunmehr fast 30 Jahren ist es in mir rund und still geworden. Nicht leer – still. Diese Stille fühlt sich an wie ein tragender Boden, gewoben aus drei Jahrzehnten Arbeit mit Menschen: Begegnungen, Tränen, Lachen, Krisen, Musik, Atem, Bewegung. Tantra heisst verweben.


Entscheidung mit Ruhe und Sorgfalt


Zwei Jahre habe ich der Entscheidung gegeben, ob ich aufhöre oder noch nicht. Ich spürte bewusst hin, ob vor, während und nach Seminaren, im Marketing, im Alltag. Nicht drängend – lauschend. Irgendwann war da Klarheit: Die Anstrengung nahm zu, mein Körper verlangte nach mehr Ruhe. In mir wuchs der Wunsch nach einem stilleren Leben. Zeit mit Günther, Zeit mit mir und Freundinnen, Zeit mit meinen Pferden. Eine leerere Agenda. Weniger Verantwortung. Mehr Musse.

Ich entscheide mich für einen Alltag in Stille. Für ein Älterwerden, das Prioritäten neu setzt: Beziehung, Gegenwart, Unscheinbares. Nicht die grosse Bühne – nicht mehr die Dichte des Lebens.

 

 

Anfänge: Mut als Währung

Ich war um die 40, als ich mein erstes eigenes Seminar anbot – „Tantra I“ im November 1997. Fünf Teammitglieder, rund 15 Teilnehmende, ein inneres Feuer entfachte sich, das kaum zu bändigen war. Marketing war damals noch Handarbeit: kleine Inserate im Luzerner Anzeiger, später unkonventionell in der Weltwoche; ein Plakat im Bus Nr. 1 in Luzern; goldgelbe Kuverts, die zweimal jährlich in Haushalte flatterten. Ich trug die Taschen selbst zur Post. Es ging nicht um Reichweite – es ging um Berührung und Verbindung.


Handwerk mit Herz


Ich war eine One-Woman-Show aus Überzeugung. Konzeption von Seminaren, Buchhaltung, Texte, Layouts, Website, Verhandlungen mit Seminarzentren, Kursorganisation, Raumgestaltung, Musik – jedes Detail ging durch meine Hände. 

Mein Mann Günther lebte damals in Düsseldorf, arbeitete als Manager und schenkte fast seinen ganzen Urlaub unserer gemeinsamen Arbeit: Jahrestrainings, Paarsettings, Community-Anlässe, später Männergruppen. 



 

 

Wir bauten diese Arbeit auf.

2000 bekam es einen formellen Rahmen: das SHIMA Institut wurde gegründet. Von da an wuchs, was zuvor im Kleinen erprobt wurde: Tantra I und II, Frühlingserwachen, Herzenslust, Die orgiastische Welle; Frauengruppen wie Gel(i)ebte Weiblichkeit I–III, Perlenlese, Mondjuwel; Paargruppen & Paartrainings. Die legendären Tanztagen mit oft über hundert Menschen.

Das SHIMA Jahrestraining - unser Herzstück; Die ersten zwei Trainings: Intim, mit kleiner Teilnehmeranzahl; Das dritte Jahrestraining mit dreissig Menschen. Der Durchbruch, welcher zeigte, welche Wucht grössere Gruppen für unserer Jahrestrainings bedeutete.
 Und Jahr für Jahr wuchs unsere Community; Es entstanden Freundschaften, Partnerschaften, auch Kinder. Und Regiogruppen, mit  Shima AbsolventInnen, die sich bis heute treffen.

Es gab viele Jahre, in denen ich mehr als 90 Tagen Seminare leitete, konzipierte, organisierte. Die Belastung war hoch, aber die Begeisterung trug mich und ich arbeitete kreativ vorwärts. In all den Jahren hatte ich ein hohes Interesse an den Menschen und ihren Themen. Meine Arbeit beinhaltete eine ständige Weiterentwicklung. Eine Verbindung von Elementen der Körperpsychotherapie, IBP, 5 Rhythmen, tantrische Erfahrung – verbunden mit Wort, Musik und jeweils neue gestalteten Erfahrungsräumen. 

Entscheidend war auch, eine gesunde Hierarchie zu leben zwischen uns als Leitung, zu den Teams und zu den teilnehmenden Frauen und Männern. Mit unserer Leitung war die Ausrichtung, Professionalität und Orientierung zu leben, verbunden mit der Wertschätzung für Menschen und ihre Entwicklungsthemen. Wir kreierten einen Raum, wo Menschen ihre Themen erkennen konnten und begannen, ihre Entwicklung aus sich heraus leben lernen. 

Mein gutes Gedächtnis für Namen und Geschichten war nie „Technik“, sondern eine Brücke zu echten Begegnungen.


Räume, die uns getragen haben


Der Start in Emmenbrücke in der Tanz & Trainingsarena, dann der Kientalerhof, später das Seminarzentrum Chlotisberg – Orte, an die wir mit Dankbarkeit denken. Wir wurden zu treuen Gästen; die Häuser wurden zu Gefässen für Entwicklung.

 

 

 

Die grösste Krise in meinem Erwachsenenleben

begann mit dem Entschluss und dem Versuch, das Shima Institut Nachfolgern zu übergeben. Verbunden mit dem Umzug aus der geliebten Schweiz in mein Heimatland Österreich; Dort erfuhr ich eine tiefe Verlorenheit, ganz schwierige Zeiten. Ich musste erkennen, dass dies die falsche Entscheidung zum falschen Zeitpunkt gewesen war. Es dauerte einige Jahre, bis ich meine Kraft und meine Ausrichtung wieder hatte.

Ich fand zurück zu meine Kraft und den Mut, die Situation zu verändern. Ich leitete wieder vermehrt Seminare und fuhr viele Male von Österreich in die Schweiz. Für mich wurde auch klarer: Meine Seelenheimat liegt in der Schweiz. So übersiedelte ich wieder zurück in die Schweiz. Die Rückkehr war ebenso mutig wie schmerzhaft, denn Günther blieb in Österreich. Wir haben diese Spannung – Nähe und Distanz, Bindung und Freiheit – ausgehandelt, immer wieder, und konnten so unsere Beziehung halten. Jetzt wohnen wir wieder zusammen - in der Schweiz. In dieser Zeit übernahm ich schliesslich auch wieder das SHIMA Institut.



 

 

Was die Arbeit mit mir gemacht hat


Aus der heissen Intensität der Anfangsjahre ist eine ruhige, wache Qualität in mir gereift. Mein Selbstwert als Frau hat einen entspannten Boden gefunden. Ich lebe Nähe und Distanz freier, halte Spannungen aus, nehme mir Zeit für gute Lösungen. Günther war für mich in Bereich Konflikten und Entscheidungen treffen ein entscheidender Lehrmeister. 

Die Entwicklungsorte die ich immer wieder neu entdecke sind sehr bereichernd. Mein Anspruch an Begegnungsqualität ist gestiegen. Gute Beziehungen zu leben ist mir wichtig. Heute wähle ich eher weniger – und dafür tiefere - Verbindungen.



 

Was bleibt? 


Eine riesige Schatztruhe voller beglückenden und bewegenden Erfahrungen. Eine Bilanz meiner Schaffensjahre, auf die ich voll Dankbarkeit zurückblicke. Ein Netzwerk, die SHIMA Community, die untereinander die Verbindung hält wie in einer guten Familie. Viel von unserer Philosophie und unseren Herangehensweisen werden dort weitergelebt.


Dank

Mein Lebenswerk – getragen von mir und entscheidend mitgetragen von Günther – findet im August 2027 seinen runden Abschluss, nach 30 Jahren Seminararbeit. Meine Dankbarkeit ist gross: den Frauen und Männern, die über Jahrzehnte vertraut und sich mutig auf Tiefe eingelassen haben. Den Teammitgliedern, die mit Herzblut Räume gehalten haben. Den Häusern, die uns beherbergt haben. Dem Leben, das reich war an Prüfungen und Geschenken. Meinen Pferden, beständige Lehrer und Erdung. Und meinen besonderen Dank an Günther.

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